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Wissensmanagement (WiMa)

Grundlegend für den Terminus ‚Wissensmanagement‘ ist der Wissensbegriff. Demnach liegt Wissen in verschiedenen Kategorien (apriorisch, aposteriorisch, apodiktisch, assertorisch) sowie in verschiedenen Arten (deklarativ, prozedural, metakognitiv; distribuiert) vor; es beruht auf der sinnvollen Verarbeitung und Verknüpfung von Daten und Informationen.

Es wird deutlich, dass der ‚Umgang‘ mit Wissen (‚Wissensmanagement‘) sowohl auf einer individuellen als auch auf einer sozialen Ebene stattfindet, wobei sich letztgenannte in zwei weitere Ebenen, in Gruppen und Institutionen, aufgliedern lässt. Auf diesen drei Ebenen kristallisieren sich mindestens drei Bereiche heraus, die sich - wie die Ebenen - (‚ganzheitlich‘) verschränken: Materie, Inhalt und Interaktion. Dabei ist mit ‚Materie‘ die sinnlich erfassbare und veränderbare Welt gemeint. Mit ‚Inhalt‘ sind die daraus gewonnenen virtuellen interpersonalen Wissensbestände und mit ‚Interaktion‘ ist der inter- und intrapersonale Austausch dieser Inhalte via Kommunikation angesprochen. Diese neunteilige Matrix wird vom gesellschaftlichen Umfeld der so genannten ‚Wissensgesellschaft‘ umschlossen.

Auf der individuellen Ebene zielt Wissensmanagement inhaltlich auf Kompetenzen wie z. B. Methoden- oder Medienkompetenz. Dieser personale Umgang mit Wissen hat eine äußere und eine innere Komponente. Die äußere umfasst den individuellen Umgang mit Wissen, das außerhalb des menschlichen Bewusstseins existiert, die innere Komponente meint das Management des Wissens innerhalb des menschlichen Selbstkonzeptes bzw. innerhalb der Lernstrukturen von Menschen. Weiter beinhaltet Wissensmanagement auf dieser Ebene Informationstechnologien und -techniken, die nicht nur auf Computer (Internet), sondern auch auf ältere, gedruckte, bildhafte Wissensspeicher zurückgreifen und unter anderem Zeit oder materielle Ressourcen erfordern.

Auf der Gruppenebene zielt Wissensmanagement auf das ‚kollektive Gedächtnis‘, das durch Austausch und Partizipation von Wissen entsteht und eine ‚kollektive Intelligenz‘ schafft. Als Ergebnis- oder Aktivitätendokumentation kann es in technisch diversen Inhalten vorliegen und als externer Wissensspeicher von anderen genutzt werden. Ebenso zielt Wissensmanagement auf der Gruppenebene auf Kommunikation und auf eine kooperativ konstruierte Entwicklung. Über menschliche Bereiche wie Interessen, Kenntnisse oder Erfahrungen wird via (moderner) Technologien kommuniziert. Es werden zudem Gruppenstrukturen und Arbeitsteilungsprozesse sichtbar, so dass ein Bedarf an Kooperation, Koordination und Integration der Wissensinhalte entsteht.

Auf der institutionellen Ebene spielt neben dem oben Genannten der inhaltlich-strukturelle Bereich eine besondere Rolle. Das bedeutet, dass innerhalb einer Institution beispielsweise die (Innen)Architektur, die technologischen Voraussetzungen oder die Organisationsstruktur so gestaltet sind, dass die Bedingungen zum bewussten, gezielten, nachhaltigen Umgang mit Wissen innerhalb einer ‚lernenden Organisation‘ gegeben sind. Die diese Ebenen umschließende ‚Wissensgesellschaft‘ zielt darauf ab, ihre Lebensgrundlagen auf reflektiertem und bewertetem Wissen weiterzuentwickeln, um diese bewusst, lebenserleichternd und nicht zerstörerisch zu gebrauchen.

Neben der Verschränkung von Ebenen (individuell, grupplich und institutionell) und Bereichen (Materie, Inhalte, Interaktion) erweitert sich das Modell noch um die Kategorie Prozesse (Ressource, Prozedur, Projekt), so dass man eine Kreuzung von insgesamt 27 Feldern erhält, mit Hilfe derer sich eine Organisation charakterisieren lässt. Man spricht jetzt von einem Wissens-System-Management, dessen Ausführung in unserem Zusammenhang ebenso wie die Zukunftsperspektive zu weit führen würde. Die künftige Weiterentwicklung dieses so verstandenen übergeordneten Nutzungskonzepts Wissensmanagement wird vermutlich in Richtung einer ‚Wissensökologie‘ gehen. Das bedeutet, dass der Qualitätsaspekt im Umgang mit Wissen eine größere Rolle als bisher spielen und z. B. die Entsorgung von Altwissen, die Probleme des Nichtwissens oder die gesellschaftlichen Konsequenzen des Wissens mehr in den Vordergrund stellen wird.

Konkreter ausgedrückt umfasst das so analysierte ‚Wissensmanagement‘ auf allen Ebenen ein Bündel von Aufgaben, wie beispielsweise

  • Informationen finden, aufnehmen, verarbeiten, reflektieren, bewerte
  • Informationen in Kontext einbetten, mit Bedeutung versehen, aus Informationen Wissen konstruieren
  • Wissensinhalte in einem kollektiven Gedächtnis speichern
  • Wissensinhalte an andere weitergeben, vermitteln, verteilen
  • Wissensinhalte mit anderen kooperativ austauschen und gegenseitig ergänzen
  • Wissen anwenden und in Handeln umzusetzen
  • Wissensbasiertes Handeln bewerten
  • Erlernen der oben genannten Teilaufgaben des ‚Umganges‘ mit Informationen und Wissen
  • ‚Wissenspflege‘ (wie Aktualisierung, Eliminierung, Strukturierung) betreiben
  • Wissen kreativ neu entwickeln
  • Wissen transferieren etc.

Zusammengefasst beinhaltet ‚Wissensmanagement‘  Wissensproduktion, -reproduktion, -distribution, -verwertung und -logistik auf der individuellen, grupplichen und institutionellen Ebene. Es umfasst die gezielte und nachhaltige Nutzung kollektiver Intelligenz auf diesen   Ebenen, wobei - innerhalb dieser - die drei Bereiche Materie, Inhalte und Interaktion aufeinander abgestimmt sind. Man meint also nicht nur einen (engen) kognitiven, methodischen oder technologischen Aspekt (Gestaltung, Entwicklung und Verwaltung von Wissen), sondern (erweitert aufgefasst) eine Haltung, einen Entwicklungsprozess, der einen bewussten, elaborierten Umgang, die Speicherung und Weitergabe der immateriellen Ressource ‚Wissen‘ beinhaltet.